8.u.9. Woche: Die Schweizer

Ich habe es ja nicht für möglich gehalten, dass wir nach dem verregnetem August noch einmal in die Schweiz kommen. Aber nach erfolgreicher Kletterei in Sinsat sind wir in 1,5 Tagen quer durch Frankreich tatsächlich zu den Schweizern gefahren. Im Saas Tal war Kaiserwetter gemeldet und das war genau unser Ziel um dort Klettern zu gehen und evtl. noch einen 4000er zu besteigen. Die Schweiz hat uns in der Tat mit herrlichstem Sonnenschein, blauen Himmel, aber auch mit herbstlichen Temperaturen um die 0° in der Nacht begrüßt. Das war schon erst mal ein Temperaturschock nach Sommer und Afrika in Frankreich und Spanien.

Zur Aufwärmung sind wir in Saas Grund einen Mini Klettersteig gegangen, von dem wir in einer Touriinfo gelesen hatten. Am Einstieg angekommen standen dort die üblichen Sicherheitshinweise, von wegen Benutzen auf eigene Gefahr, nur zugelassenes Klettersteigset und Gurt benutzen, Helm aufsetzen, nicht bei Gewitter einsteigen und das der Steig kostenlos ist. „Hört, hört, dachten wir, bei den Schweizern ist etwas umsonst. Für Alle „Flachlandtiroler“, in Deutschland, Österreich und Italien sind meines Wissens alle Klettersteige kostenlos. Als ich dann aber tatsächlich losklettern wollte, befand sich das Stahlseil, an dem man sich Sichert in 6m Höhe und das waren anspruchsvolle sechs Klettermeter.“Hmmm das kann so nicht gewollt sein.“ Dachten wir uns, so mal der Klettersteig als Einstiegsklettersteig beschrieben war. Dann endeckten wir ein weiteres Schild mit des Rätsels Lösung. Die Leiter, die man benötigt um die ersten Meter bis zum Stahlseil zu überwinden, kann man gegen einen geringen Geldbetrag, der sicher in die Wartung und Sicherheit des Steiges investiert wird beim Örtlichen Sportgeschäft abholen. Ahhhh jetzt war uns alles klar. Bis auf was mit der Leiter passiert, wenn wir den Einstieg geschafft haben? Müssen wir die Leiter mitnehmen oder sie am Ende wieder abholen oder wird sie von dem Sportgeschäft abgeholt – gegen ein paar Schweizer Fränkli vermutlich. Naja wir haben uns gegen die Leiter und für Mc Guyver entschieden. Kurzerhand haben wir Janinas Klettersteigset über den ersten Eisenstift, an dem die Leiter befestigt wird geworfen und konnten so die ersten Meter überwinden. An Alle Sicherheitsfanatiker, Janina ist natürlich nicht ungesichert geklettert, sondern Sie hat von mir einen Bandschlinge bekommen. Der Klettersteig war wirklich Mini und nach einer halben Stunde auch schon zu Ende. In die Wartung und Sicherheit wurden nicht allzu viele Fränkli investiert, da einige Stahlstifte und Trittstufen locker waren. Vermutlich leiht sich niemand die Leiter aus. Prädikat: Netter Klettersteig, aber nicht sehr Nett!

Am selben Tag haben wir noch eine wirklich sehr nette, gastfreundliche und hilfsbereite Campingplatzbesitzerin kennen gelernt. Camping Mischabel kann ich wärmstens und mit sehr gutem Gewissen empfehlen. Wir wollten dort eigentlich nur eine Nacht bleiben, aber Sie hat uns darauf hingewiesen, dass wir bei 2 Nächten einen Bürgerpass bekommen und damit den Bus und die Bergbahnen 2 Tage lang kostenlos mitbenutzen können. Ein Deal der sich am Ende richtig lohnen sollte.

Odyssee Wiessmies:

Das Weissmies ist ein 4023m hoher Berg und der Normalweg ist mit der Schwierigkeit PD- (wenig Schwierig) angegeben. Von der Bergstation Hohsaas läuft man über den Triftgletscher mit seinen sehr imposanten Gletscherspalten zum Gipfel. Der Hochtourenführer veranschlagt von Hohsaas bis zum Gipfel ca.3-4h und von der etwas tiefergelegenen Weissmieshütte eine Stunde länger. Höhenmeter sind es je nachdem von wo aus man Startet 900-1200hm.

Unser Plan war es am Mittwoch mit der Seilbahn zur Bergstation Kreuzboden (2400m) zufahren, von dort zur Weissmieshütte (2726m) zu laufen und in Hüttennähe eine Mehrseillängen Kletterroute am Jägihorn zu klettern. Nächtigen wollten wir auf der Weissmieshütte um dann am Donnerstag via Normalweg auf das Weissmies zu laufen. Gut equipt mit Kletterzeug und Hochtourenausrüstung sind wir an der Weissmieshütte angekommen. Dort mussten wir dann leider erfahren, dass die Hüttenwirtin heute ins Tal abfährt und wir nur im unbewirtschafteten Winterraum schlafen können. Grundsätzlich nicht schlimm, aber wir hatten außer ein paar Müsliriegeln keinen Proviant dabei. Außerdem hat es mich geärgert, dass ich nicht noch einmal auf der Hütte angerufen habe, da ich dachte, dass eh Nebensaison ist und wir nicht reservieren müssen. Dass die Hütte aber gleich geschlossen wird, weil so wenig Bergsteiger unterwegs sind, damit habe ich nicht gerechnet. Nach kurzem Beratschlagen sind wir weiter zur Bergstation Hohsaas gelaufen, wo es auch noch eine Hütte gibt, die auch noch bewirtschaftet ist. Klettern fiel damit aus, dafür würden wir uns am nächsten Morgen eine Stunde Laufzeit und 300hm sparen. Die Hütte an der Bergstation war ein modernes Bergrestaurant mit Übernachtungsmöglichkeit mit entsprechenden Preisen. Eine Übernachtung mit Halbpension kostete 87sFr = 72€. Puhh, wir waren leicht geschockt und uns einig, dass es uns das nicht wert ist, somal die Bedienung maximal unfreundlich war. – Ich verstehe diese Hüttenleute nicht, anscheinend haben Sie zu viel Geld und wollen meins nicht. Prädikat: Unfreundlich und teuer – kann ich nicht empfehlen. Leicht frustriert sind wir mit dem Lift wieder Mittelstation Kreuzboden gefahren, haben dort einen Kaffee getrunken und beratschlagt was wir mit dieser Miesere machen. Letztendlich haben wir uns für die Variante Winterraum auf der Weissmieshütte entschieden und am nächsten Tag das Weissmies zu besteigen. Ich bin dann mit dem Lift und samt nicht benutztem Kletterequipment ins Tal gefahren, habe etwas zu Essen eingepackt und bin dann wieder mit dem Lift zum Kreuzboden gefahren und habe dann Janina auf der Weissmieshütte getroffen. Die wirklich sehr freundliche und gastfreundliche Hüttenwirtin hatte Erbarmen mit uns und hat uns und einem weiterem französischem Pärchen noch schnelle eine Portion Spagetti mit Tomatensauce gemacht bevor Sie ins Tal gefahren ist. Prädikat: sehr nette und freundliche Hüttenwirtin – kann ich sehr empfehlen und würde ich wieder Besuchen. Der Winterraum war mit einem Holzofen, Wasser, Töpfe, Besteck und genügend Decken gut ausgestattet und wir hatten mit den Franzosen einen sehr schönen Abend.

Am nächsten Morgen sind wir gegen 5:00 Uhr Richtung Weissmies gestartet. In der Nacht hatte es leicht geschneit und die Temperatur betrug knapp 0°. Bei Sonnenaufgang waren wir auf dem Triftgletscher und sind angeseilt der Spur durch das Gletscherspaltenlabyrinth gefolgt. Sehr schöne Gletschertour, die irgendwann auch technisch anspruchsvoller und zunehmend steiler wurde. An einer Stufe und Spalte mit einer schmalen Gletscherbrücke, haben wir dann abgebrochen, da Janina nicht wohl war über die Brücke zu gehen und ich etwas Probleme hatte die Stelle gut abzusichern. Wir sind dann wieder nach Hohsaas gelaufen, haben unterwegs noch einige Eisschrauben zu Übungszwecken gesetzt und sind mit der Bahn ins Tal gefahren.
Am Freitag wollten wir es dann noch einmal wissen und haben das Allalinhorn auf 4027m Höhe via Normalweg in Angriff genommen. Schwierigkeit: leicht, 600hm, Zeit ca.2h Bergauf. Am schnellsten und leichtesten gelangt man auf das Allalinhorn in dem man mit der Bergbahn bis auf 3400m fährt und dann erst der Skipiste folgt um dann auf der ausgelatschten Spur Richtung Gipfel läuft. Technisch nicht anspruchsvoll und es gab kaum sichtbare Spalten. Trotzdem war es ein grandioses Gefühl auf dem Gipfel zu stehen und bei herrlichem Wetter und bester Weitsicht über die Gipfel zu schauen.
Für uns hat sich das Angebot der freundlichen Campingplatzdame richtig rentiert und wir waren Ihr sehr dankbar. Ich bin an diesen zwei Tagen 7 mal mit den Bergbahn gefahren, habe den Bus mehrmals benutzt, haben auf dem Campingplatz genächtigt und das Ganze für knapp 80€. Für Beide!

Am Montag waren wir noch am Berninapass und sind den Berninaexpress geradelt. Sehr schöne Radtour, die sich von Pontresina durch herrliche Wälder und schöne Hochebenen über den Berninapass bis runter nach Poschiavo zieht. In Poschiavo steigt man dann in den Zug und fährt zurück nach Pontresina.

Resümee: Die Schweizer sind ein komisches Volk, sehr korrekt, sehr akkurat, Sie lieben Zäune und benutzen sie häufig, wildes Campieren ist durch zahlreiche Schilder untersagt und umsonst ist kaum etwas. Wir haben aber sehr Nette, freundliche und Gastfreundliche Schweizer getroffen, es ist ein sehr sauberes Land und die Berge und Landschaft ist einfach Grandios – da kann man nix sagen. Prädikat: sehr nett und ich werde wiederkommen!

 

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