6.+7. Woche: Jay kannst Du mal Afrika abstellen?

Am 10.09.2014 sind wir am frühen Abend von Finale Ligure in Richtung Spanien aufgebrochen. Da in Italien, Frankreich und Spanien die Autobahnen gebührenpflichtig sind und wir zwar Zeit aber kein Geld haben, wollten wir auf Land- und Bundesstraßen nach Spanien fahren. Wie sich herausstellen sollte war es ein mühseliges Unterfangen. Unsere Route sah vor an der Küste bis Nizza, dann Richtung Montpellier und wieder südlich an der Küste nach Perpignan und schließlich nach Spanien zu fahren. Eine Strecke von circa 700km, also Berlin – Murnau und in Deutschland brauche ich dafür knapp 7 Stunden. Naja wir haben mit zwei Tagen etwas länger gebraucht. Was die ganze Sache so langwierig macht, sind die unzähligen, aber Millionen von Kreisverkehren, dann dutzende kleinere und größere Städte in denen man sich auch mal ganz gerne verfahren kann und einfach dichter Verkehr. Ich fahre relativ gerne Auto, aber zwei Tage im Auto sitzen finde ich einfach anstrengend und langweilig. Zudem kam auch noch, dass wir 30° Außentemperatur hatten und in Ermangelung einer Klimaanlage kontinuierlich Afrika in meinem Bus war. Ja ja ich weiß was Ihr jetzt denkt: „Dem Niefeldt kann man es auch nicht Recht machen“ Janina, eher das Gegenteil findet Auto fahren bei 30° zwar auch nicht toll, genießt sonst aber jede Minute in der Sonne. In Cafés hatte Sie den Platz in der Sonne und ich den im Schatten. Perfekt! Wir haben zwischendurch immer mal wieder Stopps eingelegt, haben uns an den Strand gelegt und waren im Meer baden.

Am Freitag den 12.09.2014 haben wir den kleinen Ort Gombrèn in den spanischen Pyrenäen erreicht. Unser vorläufiges Ziel, da wir dort ein- zwei Tage Klettern waren. In den Pyrenäen war es wieder deutlich kühler, es gab wieder Berge und irgendwie habe ich mich leicht heimisch gefühlt. Wie sehr ich mich doch an die Berge gewöhnt habe. Unser Klettergebiet lag an einem alten Kloster in Montgrony. Die sehr hübsche ehemalige Klosteranlage und jetzige Hotel mit seiner alten Kirche und Kapelle ist anscheinend das Ausflugsziel für spanische Familien. Vom Klettergebiet hatten wir uns mehr erhofft, da im Kletterführer doch viele Routen im moderaten, mittleren Schwierigkeitsgrad angegeben waren. Aber irgendwie lief es nicht so rund oder um mit den Worten eines Freundes zu sprechen: „Wenn es sich nicht anfühlt wie eine 5b, ist es keine oder du machst etwas falsch.“ Gut gut, nun weiß ich ja das Schwierigkeitsbewertungen von Klettergebiet zu Klettergebiet variieren, aber es ist trotzdem frustrierend, wenn man in einer franz. 5 richtig kämpfen muss. Positiv kann ich aber vermelden, dass das Klettergebiet nicht überlaufen und der Fels sehr griffig ist, da wir uns teilweise durch dichtes Buschwerk und Brombeersträucher kämpfen mussten.

Am Sonntagabend haben wir Janinas Auto in den Pyrenäen stehen gelassen und sind wir mit einem Auto nach Barcelona gefahren. Dort haben wir etwas außerhalb von Barcelona auf einem Campingplatz genächtigt und sind am nächsten Tag mit dem Zug in die Stadt gefahren. Zuerst haben wir uns die Kirche La Sagrada Família angeschaut. Diese Kirche oder Kathedrale wurde 1883 von Antonio Gaudí geplant und ist bis heute nicht fertiggestellt. Das imposante, riesige Gebäude hat aktuell acht fertige Glockentürme, 17 sollen es mal werden und soll Platz für 13 000 Besucher bieten. Ich hätte mir die Kirche gerne auch von Innen angeschaut aber eine Warteschlage, die um die Hälfe der kompletten Kirche ging hat mich doch davon abgehalten. Man kann wohl Eintrittskarten im Vorfeld online kaufen und spart sich so das ewige Anstellen. Wir sind dann weiter in die Altstadt gezogen, haben uns La Rambla eine große Promenade mit zahlreichen Cafés, Geschäften und Restaurants angeschaut. Haben einen Markt gesehen mit seinen kulinarischen Köstlichkeiten und sind durch die kleinen Gasen von Barri Góthic gezogen. Barcelona hat mir sehr gut gefallen. Eine witzige, quirlige Stadt mit einer sehr schönen verwinkelten Altstadt.

Von Barcelona sind wir noch am gleichen Tag an der Küste nach Norden in die kleine Stadt Figueres gefahren. Die Nacht haben wir in einem kleinen Ort kurz vor Figueres verbracht. Als wir in der einzigen Bar noch ein Bier trinken wollten, wurden wir unverhofft auf ein zweites von einen einheimischen Männerrunde eingeladen. Die drei Herren sprachen leider nur spanisch oder genauer nur katalanisch, was die Verständigung fast unmöglich machte, aber Sie waren sehr freundlich und es war großartig Ihnen beim Diskutieren und Gestikulieren zuzuschauen. Figueres ist der Geburtsort des surrealen Künstlers Salvador Dalí (1904-1989). Außerdem steht dort das Teatre-Museu Dalí, ein Museum in dem viele Werke, Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen von Dalí ausgestellt sind. Mir hat es sehr gut gefallen, obwohl ich etwas enttäuscht war kaum bekannte Werke von Ihm dort zu sehen.

Anschließend sind wir wieder zurück in die Pyrenäen gefahren, haben Janinas unversehrten Bus abgeholt und sind weiter nördlich in die französischen Pyrenäen gezogen. Sinsat hieß der Ort an dem wir uns die nächsten drei Tage aufhielten. Wir waren an herrlichem Fels klettern und ich saß einmal kurz im Boot und habe auf dem Fluss vor unserem Lagerplatz traversieren geübt. Das Klettern ging etwas besser als in Spanien, der Fels ist sehr schön griffig und es gibt viele Kletterrouten im mittleren Schwierigkeitsgrad. Einzig den Fels zu finden war am Anfang sehr schwer und mühselig. Wir sind ca.3 Stunden bei sengender Hitze einen kleinen mit Dornensträuchern bewachsenen Schotterweg steil bergauf gelaufen ohne auch nur einen Ansatz von dem Klettergebiet zu finden. Es war mal wieder Afrika, mir lief der Schweiß und ich war missgelaunt. Das Gebiet hat sich letztendlich knapp 300hm unterhalb und 500m weiter links von dem befunden wo wir gesucht haben und war bequem mit dem Fahrrad zu erreichen. Wir waren an dem Tag nicht mehr klettern, da wir fix und fertig waren.

Merke: Wenn man auf Erkundigungstour zu neuen Felsen aufbricht, braucht man nicht zwangsläufig das komplette Kletterequipment mit schleppen!

Grundsätzlich ist es aber ein sehr schönes Klettergebiet und ich kann es nur empfehlen!

Die „Gegendarstellungen“ könnt Ihr in Janinas Reiseblog lesen.

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