2. Woche: Wasser

09.08. – 17.08.2014

In der zweiten Woche waren wir Kajak fahren auf der Wildwasserwoche in Pfunds, Österreich. Die Wildwasserwoche ist eine Veranstaltung die von den Kanuvereinen NRW, Hessen und Niedersachsen organisiert wird. Sie dauert zwei Wochen und findet wechselnd an verschiedenen Orten in der Nähe von Wildwasserbächen statt. In der ersten Woche werden Kajakkurse vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen angeboten und in der zweiten Woche gibt es geführte Fahrten auf den Wildbächen der Umgebung. Dieses Jahr war die Wildwasserwoche in Pfunds im Dreiländereck Österreich – Schweiz – Italien. Nils, ein sehr guter Freund und einer der Fahrtenleiter dort, hat uns gefragt ob wir dort hinkommen möchten und etwas Paddeln wollen? Und wie wir wollten!

Basecamp war der Campingplatz in Pfunds. Fast der komplette Platz war belegt mit Paddlern. Wo man hingeschaut hat Boote, Paddelklamotten die trocknen, Paddler die auf dem Weg zum Paddeln waren, Paddler die vom Fluss kamen. In Pfunds haben wir uns noch mit zwei Freunde aus Garmisch getroffen, die für das Wochenende zum Paddeln nach Pfunds gekommen sind. Sie sind dann mit Nils zusammen noch die Giarsunschlucht und die Ardezer- Schlucht paddeln gefahren. Beides sind Abschnitte des Inn und mit einer Schwierigkeit von Stellenweise 4+ bis 5 leider noch etwas zu schwer für uns. Es gibt 6 Schwierigkeitsgrade, wobei 6 wohl die Grenze der Befahrbarkeit darstellt. Wir sind stattdessen Lebensmittel einkaufen gefahren und uns dann noch mit Freunden aus München getroffen, die gerade zum Biken in Serfaus waren. Mittlerweile zu Fünft und vom einsetzenden Regen etwas zur Untätigkeit verdammt, sind wir kurzerhand in den Zollfreien Ort Samnauen in die Schweiz gefahren und haben lecker Brotzeit mit Schüttelbrot, Speck u. Pfeffersalamin gemacht.

Paddelklamotten
Paddelklamotten

Am Sonntag waren wir dann auf dem Inn, von Pfunds bis Prutz Raften. Ca. 18 km schönes Wildwasser der Stufe 2 mit 4er Stelle in Tösens, wo man schon mal kurzzeitig richtig am Paddel ziehen muss. Rafting ist eine witzige Sache, da man mit so einem großen Gummiboot auch mal Flüsse mit schwierigeren Stellen befahren kann, die man mit dem Kajak noch nicht paddeln kann.

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Keep walking

Den Rest der Woche waren wir dann aber tatsächlich Wildwasser paddeln. Es gab ein schwarzes Brett an dem geführte Fahrten auf verschiedenen Bächen mit unterschiedlichen Schwierigkeiten ausgeschrieben waren, bei den man sich am Vortag eintragen konnte. Gestartet sind wir am Montag mit der Trisanna. Ein sehr schöner Wildbach bei Ischgl und Galtür der dann in die Sanna mündet und letztendlich sich mit dem Inn in Landeck verbindet. Der Abschnitt den wir gefahren sind ist leichtes Wildwasser der Stufe 2-3 mit zwei 4er Stellen. Auf der Strecke konnten wir schön immer wieder Kehrwasser fahren üben, es gab einige schnellere Passagen gefolgt von entspannten Flussabschnitten. Beim ersten Run haben wir die beiden Kernstellen, den Sägewerkskatarakt und die Seestufen Umtragen bzw. haben vorher aufgehört. Beim zweiten Run sind wir sind direkt vor dem Sägewerkskatarakt eingestiegen und nach den Seestufen ausgestiegen. Diesmal bin ich beide Stellen durchgepaddelt, bin nicht schwimmen gegangen und habe sogar ziemlich genau die Linie bekommen, die Nils vorgefahren ist. Es war großartig und ich war auch etwas Stolz auf mich. Einziger Wehmutstropfen, es hat die ganze Zeit geregnet. Was beim Paddeln egal ist, da man eh nass wird, aber beim Umziehen ist es schon lästig. Am Dienstag haben Janina und ich an einem Sicherheitskurs teilgenommen. Dort wurde am Vormittag erstmal theoretisch die komplette, Persönliche Sicherheitsausrüstung besprochen. Was man dabei haben sollte, worauf zu achten ist, wie man einen Flaschenzug baut um ein verkeiltes Boot zu bergen und, und, und. Dabei ist uns beiden, peinlich, peinlich aufgefallen, dass wir zwar gut ausgebildetes Medizinisches Personal sind und theoretisch wahrscheinlich viele medizinische Notfallsituationen beherrschen würden, aber halt nur theoretisch. Da wir nämlich keinerlei Erste Hilfe Equipment dabei hatten. Naja man kann ja nicht alles haben. Nach dem am Nachmittag der Regen aufgehört hatte, sind wir dann zum praktischen Teil übergegangen und haben in leichtem Wildwasser, Wurfsack werfen, Boot abschleppen und einen Schwimmer mit dem Kajak retten geübt. Also ich muss schon sagen, wenn man mal einen Schwimmer an seinem Boot hatte und Ihn in das nächste Kehrwasser gepaddelt hat, weiß man was man gemacht hat und ich habe größten Respekt vor den Guides die das vielleicht zwei bis drei Mal pro Fahrt machen. Hut ab!!!

Janina im Regen
Janina im Regen

Tja und dann kam der Mittwoch, der war wirklich sehr beeindruckend! Unser Plan war es einen Teil des Inn in der Schweiz, die Zernezer-Strecke zu paddeln. Eigentlich 1-2er Wildwasser mit leichte Schwallstrecken und kleinen Blockstellen. Laut Nils aber gut machbar für uns beide. Leider haben wir die Rechnung ohne den wirklich starken Dauerregen gemacht. Schon auf der Fahrt zum Einstieg konnten wir immer wieder den Fluss sehen und der war gar nicht mehr so schön blau und klar, sondern Kakao braun und sah nicht mehr so nett aus, so dass wir uns da schon nicht mehr so sicher waren ob wir mitpaddeln sollen. Am Einstieg haben wir noch mal lange diskutiert und überlegt ob wir fahren oder nicht. Letztlich haben wir uns in strömenden Regen in unsere noch feuchten Paddelklamotten geworfen und haben im Auto gewartet, dass die Anderen die Autos zum Ausstieg fahren und wieder zurückkommen. Als es dann nach knapp 30 min losgehen sollte sind wir zu Einstieg und dieser sah nochmal anders aus als zuvor. Schwarze Rinnsalen mit Sand kamen aus den Bergen, der Pegel war gestiegen und der Fluss hatte richtig Wucht. Keine leichten Schwallstrecken mehr! Ich glaube das nennt man dann Hochwasser. Janina und Ich haben uns nur kurz angeschaut und waren sofort einer Meinung, dass wir das auf jeden Fall nicht paddeln werden. Uns haben sich noch zwei weitere Paddlerinnen angeschlossen und wir haben unser Zeug zusammen gepackt, die Boote wieder auf die Auto geladen und sind Richtung Ausstieg gefahren. Letztendlich sind sechs Teilnehmer mit acht Guides gestartet und das war ein wirklich gutes Verhältnis. Es gab drei Schwimmer und die Guides hatten gut zu tun Mensch und Material zu bergen. Am Ausstieg sind dann nur noch drei Teilnehmer und die acht Guides angekommen. Die anderen Drei haben Gott sei Dank dann abgebrochen und wurden eingesammelt. Nun kann man sicherlich die berechtigte Frage stellen warum man bei Hochwasser erst einsteigt und losfährt? Also die Fahrtenleiter können es halt einfach! Sie können die Situation Händeln, kennen in der Regel den Bach, sind Erfahren und paddeln sonst eher schweres Wildwasser. Bei den Teilnehmern denke ich mir, ist jeder selbstverantwortlich und man sollte die eigenen Fertigkeiten und deren Grenzen kennen. Wir haben uns das Spektakel vom Ufer aus angeschaut und waren schwer beeindruckt. Da trieben ganze Bäume im Fluss und man konnte zuschauen wie der Wasserpegel stieg. Irre!! Wenn ich groß bin, würde ich das auch gerne mal ohne Stress paddeln können.

Hochwasser
Hochwasser

Am Donnerstag sind auf Grund von Hochwasser auf den Flüssen die Fahrten ausgefallen.

Am Freitag, Samstag und Sonntag waren wir dann wieder Paddeln. Wir konnte die Zernezer-, Martina- und Scoulser Strecken des Inn befahren und es war grandios! Sowohl Landschaftlich als auch Paddeltechnisch. Ich bin gut zu Recht gekommen und hatte einige persönliche Highlight: Ich bin zwei Mal gekentert und beide Male erfolgreich hochgerollt und musste nicht aussteigen. Ich bin gut durch drei von vier Kernstellen der Scoulser Strecke gekommen und hatte fast normalen Puls.

Nils DER Guide
Nils DER Guide
Nils in Action - Giusun
Nils in Action – Giusun

Im Grunde war aber die ganze Woche ein Highlight – trotz Regen! Wir haben viele sehr nette Menschen kennengelernt, wurden sehr herzlich aufgenommen und hatten vor allem irre viel Spass.

Ein riesen Lob, Respekt und Dankeschön an die Organisatoren, Fahrtenleiter und Paddler.

Alex – Giasun

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